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Aktuelles

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Wie Rituale uns helfen – in großen und kleinen Momenten

Jeder Mensch hat seine eigenen kleinen Rituale – vom morgendlichen Kaffee vor dem FrĂŒhstĂŒck ĂŒber kleine Belohnungen nach erledigten Aufgaben bis hin zur nĂ€chtlichen LektĂŒre, um abschalten und anschließend besser einschlafen zu können. Oft fallen sie uns schon gar nicht mehr auf, sind kaum der Rede wert. Und doch möchten wir sie auch nicht missen, denn sie verleihen uns zusĂ€tzliche Struktur und geben uns immer wieder neue KraftschĂŒbe fĂŒr den Tag. Es sind bloß Kleinigkeiten – aber eben wichtige Kleinigkeiten.

Haben wir gerade einen geliebten Menschen verloren, sind da auch wieder Rituale, diesmal andere: Trauerfeier, Beisetzung, womöglich all dem vorausgehend eine offene Aufbahrung als moderne Form der Totenwache. Es gibt ein allgemeingĂŒltiges VerstĂ€ndnis davon, wie solche Momente auszusehen haben – jedenfalls im Großen. Im Kleinen dagegen ist Abschied wieder eine durch und durch persönliche Sache. Die â€žĂŒblichen Gepflogenheiten“ können uns zwar eine Orientierung geben, doch sie dĂŒrfen keinesfalls Gesetz sein. Es ist wichtig, dass wir auch hier unsere eigenen Rituale finden, die sich fĂŒr uns richtig anfĂŒhlen.

Wenn da gerade sonst nichts mehr ist, woran wir uns festhalten können, geben uns ebenjene Rituale unverzichtbaren Halt. Dabei ist es fast schon egal, ob wir eine großzĂŒgige Trauerfeier planen oder mit kleinen Gesten unsere Dankbarkeit und Liebe zeigen – entscheidend ist, dass wir uns Gedanken machen und dabei auf unser Herz hören. Nicht an Konventionen oder Grenzen denken, sondern einfach fĂŒhlen und machen. Und falls Sie kein Freund des Besonderen sind, ist das natĂŒrlich vollkommen in Ordnung. Ein regelmĂ€ĂŸiger Besuch am Grab beispielsweise, mit Blumen und einigen Momenten des schweigenden Gedenkens, mag sich möglicherweise trivial anhören. Aber auch das ist ein Ritual. Ein kleines, möglicherweise kaum der Rede wert – doch so lange wir uns damit wohlfĂŒhlen, ist reden ja auch gar nicht notwendig.

von Jacek CisƂo (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 pl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/pl/deed.en)], via Wikimedia Commons

Lesen Sie diesen Monat im Feuilleton:

Fragen Sie Ihren Bestatter.
Lektionen aus dem Krematorium.

So lautet der Titel eines jĂŒngst erschienenen Buches - eine Art Arbeitsplatzbeschreibung einer amerikanischen Bestatterin aus Los Angeles.

Unter der Rubrik "Zeitgeist" und der Überschrift "Todesmutig" konnte man im Spiegel, Ausgabe 3 vom 16.01.2016, von der AnkĂŒndigung der deutschen Ausgabe lesen. "Es ist ein makabres wie komisches PlĂ€doyer fĂŒr einen unbefangenen Umgang mit dem Tod, vor allem aber mit den Toten".

Diese AnkĂŒndigung hört sich interessant an und lĂ€sst darauf hoffen, dass eine recht junge Autorin (Geburtsjahr 1986) einen klaren Blick auf das Thema wirft und in ansprechender, aktueller und unterhaltsamer Art und Weise unseren oftmals verklemmten Umgang mit dem Tod neu beleuchtet. Ja - vielleicht sogar einen Imagewandel in Sachen "Umgang mit dem Tod" anstrebt.

Also: Leseprobe downloaden. Hinsetzen und sich freuen.
Allein die ersten SĂ€tze unter "Mehr zum Buch" lassen Unschönes erahnen. "Wie befördert man ĂŒbergewichtige Tote aus dem obersten Stockwerk auf die Straße? 
 Und wie bekommt man Knochen in die Urne?" Nun gut, die Neugier siegt und das erste Kapitel wird gelesen.

SpĂ€testens bei "Oh Gott, heilige Scheiße, was ist denn das 
?" ist Schluss, die darauf folgende Beschreibung einer Leiche im fortgeschrittenen Verwesungsstadium ist schlicht zu viel des Guten.

Schade - denn es wĂ€re mal wirklich an der Zeit gewesen fĂŒr eine unterhaltsame LektĂŒre, die tatsĂ€chlich daran interessiert ist, das Thema Tod aus seiner Tabuecke der Gesellschaft zu holen. Aber dies doch bitte immer mit Respekt und WĂŒrde! Vor den Verstorbenen und den Angehörigen!

Infos zum Buch: Caitlin Doughty, Fragen Sie Ihren Bestatter. Lektionen aus dem Krematorium, Verlag C.H. Beck

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Foto: I, Marcus Obal, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commonsa

 


Von 31.03.2016

Desig bis zum Schluss

Bild: Von Takeaway - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0

Design − bis zum Schluss

Eine Urne ist längst nicht mehr nur eine Urne. Es gibt sie in vielfältigen Materialien, in allen denkbaren Farben, mit und ohne klassische  Ewigkeits-Motive und auch mit dem „Goldrand“. Die HSV-Urne und die Colani-Urne sind prominente Vertreter der Urnenkollektionen der letzten Jahre.
Manch eine Urne steht sogar als Ausstellungsstück in einem Museum.

Die Anzahl der Kremierungen pro Jahr und somit der Bestattungen in einer Urne hat die klassische Erdbestattung nicht nur in urbanen Regionen fast überholt, sie ist einfach eine moderne Bestattungsart, die viele Möglichkeiten offenhält.

„Brauchbares Alltagsdesign entwickeln“ ist eine der Zauberformeln der Industriedesigner.  Einem notwendigen Gebrauchsgegenstand mit geringer Attraktivität − wer schmückt sich schon gerne mit einer Urne? −  ein zeitgemäßes, innovatives und trotzdem passendes Outfit zu verleihen, ist eine spannende Aufgabe.

Für das jüngste Beispiel einer sehr individuellen Urne hat die klassische gusseiserne, achteckige Mokka-Kanne von Alfonso Bialetti (*1888, †1970) Pate gestanden. Sein Sohn Renato Bialetti, Chef des italienischen Kaffeemaschinenimperiums, verstarb Mitte Februar dieses Jahres. Seine Asche wurde in einer Urne beigesetzt, die in Form und Farbe eben genau dieser berühmten Kaffeekanne entspricht.

Design gibt es eben doch für jeden Anlass!

 


Von 11.02.2016

Organspende

Bild: Wikimedia - Rostocker - CC by 3.0

Organspende

Der Hirntod ist aus medizinischer und rechtlicher Sicht dem Tod des Menschen gleichgesetzt. Also sind wir tot, wenn es unser Gehirn ist. Oder doch erst, wenn unser Herz nicht mehr schlĂ€gt? Organspende ist spĂ€testens seit 1968 ein immer aktuelles Thema. Damals definierten Wissenschaftler den bislang gĂŒltigen Zeitpunkt des anerkannten Todes neu. Seither wird der Tod auch dadurch definiert, dass eines unserer Zentralorgane außer Funktion ist − unser Gehirn. Der Hirntod ist gleichgesetzt mit den bislang geltenden Todesanzeichen wie Herzstillstand und Organversagen. Seit 1997 ist diese Definition auch per Transplantationsgesetz juristisch festgelegt.

Wie funktioniert eigentlich die Feststellung des Hirntodes?
Der Hirntod tritt ein, wenn die Gesamtfunktion des Gehirns − Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm − unwiederbringlich erloschen ist. Dies wird mit Hilfe unterschiedlicher Methoden ermittelt. Ein EEG zeichnet die HirntĂ€tigkeit auf, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und fehlende Reflexe sowie Lichtstarre und Reaktionslosigkeit bei Schmerzfunktionstests geben Aufschluss ĂŒber den Zustand des Patienten. Alle Tests mĂŒssen bei Erwachsenen nach mindestens 12 Stunden von einem anderen Arzt wiederholt werden. Erst im Falle einer absoluten Übereinstimmung und Feststellung des Hirntodes gemĂ€ĂŸ den Regeln zur Feststellung des Todes* wird der Hirntod und somit die Voraussetzung fĂŒr eine Organspende erklĂ€rt.

Wie wird man Organspender?
Jeder, der sich mit diesem Thema beschĂ€ftigt, hat die Möglichkeit, sich formlos einen Organspendeausweis auszustellen, z.B. ist dies unter www.organspende-info.de möglich.[nbsp] Der Ausweis muss nicht rechtlich oder medizinisch bestĂ€tigt werden und wird auch nicht registriert. Somit hat es jeder Mensch zu Lebzeiten selbst in der Hand, bewusst Spender zu sein. Wird der Ausweis vernichtet, erlischt auch die Wirksamkeit. Gibt es diesen Ausweis nicht, werden im Fall eines Hirntodes die nĂ€chsten Angehörigen zu diesem Thema befragt. Eine schwere und schnell zu treffende Entscheidung fĂŒr die Hinterbliebenen. Organspende ist zwischen den Naturwissenschaftlern und [nbsp]den Ethik-Kommissionen ein schwer umstrittenes Thema. Pro und Contra sind nicht eindeutig und verlĂ€sslich. Gerade deswegen sollte sich jeder ein persönliches Bild davon machen, mit seinen Angehörigen diskutieren und selbst entscheiden.

Informationen zu dem Thema finden Sie unter:
www.bmg.de
www.bundesaerztekammer.de
www.organspende-info.de


* (Richtlinie der BundesĂ€rztekammer, § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 TPG fĂŒr die Regeln zur Feststellung des Todes nach § 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 TPG und die Verfahrensregeln zur Feststellung des endgĂŒltigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG)

 

 

Von 21.07.2014

der digitale Nachlass

Bild: © Sergey Nivens - Fotolia.com


WWW - oder der digitale Nachlass.

Leider erben wir nicht immer interessante, schöne oder wertvolle Dinge – nein, nicht immer geht es um schnelle Autos, teure Immobilien und viel Geld. Auch lĂ€stige Hinterlassenschaften sind an der Tagesordnung ‒ und eben auch solche, mit denen man sich gar nicht auskennt. Unsere Web-IdentitĂ€t gehört wohl dazu. Jeder, der Onlinebanking betreibt, bei einem der vielen OnlinehĂ€ndler einkauft, E-Mails verschickt, an Onlinepreisausschreiben teilnimmt, online die Tageszeitung bezieht oder je etwas gegoogelt hat, ist Teil des WWW – auf ewig!?

Mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland sind im Internet unterwegs, Tendenz tĂ€glich steigend. Die Silver-Surfer, Best-Ager oder die 50+-Generation ist der boomende Markt, auch im Netz. Altersgerechte Social-Media-Seiten, Senioren-Onlineshops und nicht zuletzt die Onlinebestattung schießen wie Unkraut aus dem Boden – und werden genutzt. Aber was tun, wenn die reale IdentitĂ€t endet? Nach mir die Sintflut? Augen zu und durch? Oder sollte man vorsorglich jemanden beauftragen, bei Facebook die Erinnerungsseite zu aktivieren – die Pinnwand wird dann zum Kondolenzbuch 
 wie praktisch. Dank der allgemeinen unternehmerischen GeschĂ€ftstĂŒchtigkeit kann man sich mittlerweile als Hinterbliebener professionell helfen lassen. Anbieter wie www.semno.de oder www.digitaler-nachlass.de bieten Erben Hilfe bei der Sichtung und Erledigung des ungewöhnlichen Erbes an.

Zu Lebzeiten könnten wir es unseren Erben aber ‒ wenn wir wollen ‒ noch leicht machen: mit dem guten alten handschriftlichen Testament zum Anfassen auf echtem Papier. So hinterlegt, sind Zugangsdaten, Passwörter und Co. gezielt verfĂŒgbar und so könnte auch unsere Web-IdentitĂ€t ein StĂŒck weit endlich sein!

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